Kath. Pfarreiengemeinschaft
Liebfrauen – St. Matthias – Osnabrück

Geschichte der Liebfrauengemeinde Eversburg

im Zeitraffer von einer heidnischen Siedlung bis zur

Großstadtgemeinde im Jahr 2011

In „grauer Vorzeit“: Ein heidnischer Friedhof befindet sich in der Nähe vom sog. Schürhügel in unmittelbarer Nachbarschaft zur heutigen Kirche von Eversburg. Beweis: Dort 1911 Fund einer Urne aus karolingischer Zeit (8. Jahrhundert). 1922 Fund weiterer Bestattungsspuren mit sog. Tränenkrüglein.

Erst sächsischer Edelsitz, dann Besetzung durch fränkische Eroberer, als „Curtis Eversfeld“ in Urkunden aus dem 11. und 12. Jahrhundert erwähnt. Die älteste Urkunde mit dem Namen „Eversfeld“ (= Feld des Eberhard) stammt aus dem Jahr 1090.

1223 Verkauf der bäuerlichen Hofanlage von dem Edelherren Hermann von Blankena an das Domkapitel zu Osnabrück. Ausbau dieses Hofes zu einer Wasserburg, die erstmalig 1383 in einer Stadtrechnung erwähnt wird.

Die Eversburg ist das gesamte Mittelalter hindurch Haupthof des Domkapitels. Es war auch Bauherr einer wehrhaften Burg als Verteidigungsstellung gegen die Grafen von Tecklenburg, mit denen es ständige Streitereien gab – schließlich ist die Burg auch Sitz des Dompropstes.

1562 ist die Burg stark verfallen. Instandsetzung durch Domherr von Ledebur.

1626 während des 30jährigen Krieges wird die Burg vom kaiserlichen Kriegsvolk ausgeplündert und
1633 die Wirtschaftsgebäude von den Schweden in Brand gesteckt.

1688 erbaut Dompropst Johann Werner von Leeradt ein neues Herrenhaus.

1701 Fertigstellung der Gutskapelle durch Dompropst Graf Franz Arnold von Wolff- Metternich. Sein Wappen ist heute noch sichtbar über dem Südportal, ebenso das Fertigstellungsjahr 1701.

1719 Ernennung von Ferdinand von Kerssenbrock zum Dompropst, der als Statthalter des Kölner Kurfürsten und Osnabrücker Fürstbischofs Clemens August auf der Eversburg seinen ständigen Wohnsitz nimmt und sie von

1747 bis 1754 zu einer prunkvollen barocken Residenz erweitert mit edlen Möbeln und einer Gemäldegalerie mit 158 Meisterwerken von Rembrandt, Breughel bis Tizian. Die Burg hat Kanonen, große Viehställe und Ländereien. Ein fester Turm dient als Gefängnis.
Nach dem Tode des Dompropstes von Kerssenbrock am 23. Oktober 1754 wird die Gemäldegalerie schon im Dezember 1754 versteigert. Gesamterlös: 1900 Taler.

Mit dem Bau der Burgkapelle ist der eigentliche Ursprung und Anfang der Liebfrauengemeinde gegeben. Sie dient von Anfang an den Bewohnern der Umgebung als Gotteshaus und wird zur „Wiege“ der Liebfrauengemeinde bis zum Neubau der Liebfrauenkirche im Jahr 1923. Vielen Bewohnern von Eversburg und Pye bleibt dadurch der weite Weg nach Wallenhorst erspart, zu deren Gemeinde sie bis zum Bau der Burgkapelle gehört hatten.

Ab 1754, nach dem Tode von Dompropst von Kerssenbrock, wird die Eversburg als Sommersitz des jeweiligen Dompropstes genutzt.

1802, nach der Säkularisation, geht die Burg in Staatseigentum über.

Infolge fehlerhafter Baukonstruktion verfällt die Burg immer mehr. Die Pfähle, auf denen das Gemäuer im sumpfigen Wasser stand, faulten im Sommer bei Niedrigwasser. So muss das baufällige Herrenhaus schließlich
1840 abgerissen werden. Ein Wiederaufbau erfolgt nicht, außer der Kapelle ist nichts mehr erhalten.

Weitere Entwicklung und Gründung der Liebfrauengemeinde

Am 7. Mai 1896 erhält der Neupriester Engelbert Bucholtz seine Anstellung als Vikar am Dom zu Osnabrück für den Seelsorgebezirk Eversburg. In diesem wachsenden, aber armen Diasporabezirk sollten zunächst ein Gemeindehaus und eine neue Kirche gebaut werden. Engelbert Bucholtz erwirbt für 7500 Mark in der unmittelbaren Nähe der Kapelle eine sumpfige Wiese vom preußischen Fiskus, die später, als der Stichkanal gebaut wird, kostenlos mit Erdmasse aufgefüllt wird und dadurch erst die Eignung zum Bauplatz erhält. Es folgt ein weiteres Problem: Es kommt Streit auf über die Lage des Grundstücks für den Bau der Kirche, sie müsse zentraler liegen, etwa in der Mitte von Eversburg an der Natruper Straße. Vikar Bucholtz lässt sich jedoch nicht beirren. Es bleibt alles so, wie es geplant war: Als Erstes wird ein geräumiges, stark gebautes Pfarrhaus errichtet und 1906 fertig gestellt.

Für den Bau der Kirche sammelt Vikar Bucholtz dann weiter Baustein um Baustein in – wie es in einer Chronik heißt – „mühseliger und bewunderungswürdiger Ausdauer“.

Er glaubt sich am Ziel seiner Bemühungen, als er über einen Betrag von 96.000,-- Goldmark verfügt - da bricht 1914 der Erste Weltkrieg aus. Das Geld verliert an Wert, an den Bau der Kirche ist zunächst nicht zu denken.

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, am 1. April 1919, errichtet Bischof Dr. Wilhelm Berning mit amtlicher Urkunde offiziell die Liebfrauengemeinde und ernennt Dr. Engelbert Bucholtz zum Pfarrer der neuen Gemeinde.
Es folgen weitere Jahre mit großen wirtschaftlichen Problemen, vor allem durch die Inflation, Sie bläht die Goldmark zu wertlosen Millionen- und Billionenbeträgen auf.

Pfarrer Bucholtz lässt sich nicht „unterkriegen“, sondern geht nochmals ans Werk. Durch Auslandsreisen, Dollarstipendien und Erschließung von Geldquellen bei Wohltätern, sogar durch Theaterspiele für die weitere Umgebung bringt er wieder so viel Geld zusammen, dass mit dem Bau der Kirche begonnen werden kann. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass viele Katholiken von Pye durch freiwillige Arbeitsleistungen beim Bau der Kirche geholfen haben.
• Am 22. Mai 1922 ist feierliche Grundsteinlegung –
• am 22. Mai 1923 ist Richtfest, „und der Hahn wird auf den Turm gesetzt.“
• am 8. Dezember 1923 wird die Kirche feierlich eingeweiht, 27 Jahre nachdem am
8. Dezember 1896 der Plan gefasst worden war, eine neue Kirche zu bauen.
In diesem Gottesdienst am 08.12.1923 bittet Pfarrer Bucholtz den Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning, der neuen Kirche - zu Ehren der „Unbefleckten Empfängnis Mariä“ erbaut -, den Titel „Liebfrauenkirche“ zu geben, einen „Ehrentitel, in den „das deutsche Gemüt die ganze Tiefe und Wärme seiner Empfindung gelegt hat“ (so ein Auszug aus der „Osnabrücker Volkszeitung“ vom 10.12.1923).
Aus diesem Grunde kann die Liebfrauengemeinde Kirchweih- und Patronatsfest am selben Tag. am 8. Dezember, dem Fest „Mariä Empfängnis“ feiern. Da auch die Burgkapelle den Patronatstitel „Maria Trösterin – kurz Maria Trost“, trägt, gibt es nun zwei Kirchen in Eversburg, die zu Ehren der Gottesmutter erbaut wurden.

Nach Fertigstellung der neuen Kirche ist die Kapelle von 1923 bis 1954 als Jugendheim benutzt worden und muss dann mit viel Aufwand und Mühe wieder hergerichtet werden.

Nach Plänen und unter der Leitung des Osnabrücker Architekten A. Feldwisch ist die Liebfrauenkirche in neuromanischem Stil erbaut worden. Pfarrer Bucholtz bemüht sich dann weiter um den inneren und äußeren Aufbau der Gemeinde: Orgel, Glocken, ein neuer Taufstein, Hochaltar und Nebenaltäre für die Kirche und das neu erbaute Küsterhaus sind Zeugen seines Erfolges. Den Abschluss in Ausstattung und Verschönerung des Gotteshauses bildet im Jahre 1934 die Ausmalung der Kirche durch den Kirchenmaler Repke aus Wiedenbrück.

Die Jahre nach Fertigstellung der Kirche bis zum Ende des

Zweiten Weltkrieges

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 gründet Pfarrer Bucholtz mit zwei Thuiner Ordensschwestern, die bisher in einem Kriegslazarett in Osnabrück tätig waren, die Schwesternstation der Liebfrauengemeinde. Hauptaufgaben: Krankenpflege und Seelsorgeunterricht. Im Herbst 1947 beschließt der Kirchenvorstand den Bau eines Kindergartens mit Schwesternwohnung, fertiggestellt dann im August 1951. Die Leitung des Kindergartens übernimmt eine Ordensschwester. 1964 wird ein neuer Kindergarten gebaut, das alte Haus steht nun den Schwestern ganz zur Verfügung., 1978 wird eine Hauskapelle eingerichtet.

Bis zum Jahr 1999 sind zwei, drei, manchmal auch vier Schwestern gleichzeitig tätig gewesen, vor allem immer eine Schwester als Leiterin des Kindergartens. Die Auflösung der Station erfolgte wegen des Personalmangels des Ordens.

Pfarrer Engelbert Bucholtz stirbt am 23. Juli 1947. Er ist insgesamt fast 52 Jahre in der Gemeinde tätig gewesen: seit 1896 als Vikar, ab 1911 als Pastor, 1919 als Pfarrer. Von Papst Pius XI, wurde er am 9. Mai 1928 zum „Geheimkämmerer“ ernannt. Goldenes Priesterjubiläum feiert er am 29. September 1945, im Mai 1946 Goldenes Ortsjubiläum.

Die Liebfrauengemeinde von 1947 bis heute

Nachfolger von Pfarrer Bucholtz wird Kaplan Bernhard Beuke von der Bonifatiuskirche in Lingen, er tritt am 1. Oktober 1947 seine Stelle in Eversburg an. Der Anfang für den neuen Pfarrer ist sehr schwierig. Eversburg ist zum Durchgangslager für Kriegsdeportierte aller Länder geworden, viele Kriegsschäden sind zu beseitigen, die Gemeinde ist für die Instandsetzung vieler seelsorglich notwendigen Gebäude und auch für Neubauten zu gewinnen.

Das erste seelsorglich vordringliche Projekt ist die Einrichtung eines Kindergartens und einer Schwesternwohnung, sie konnten am 15. August 1951. eingeweiht werden.

Das stark beschädigte Pfarrhaus wird erneuert und um eine Etage „erniedrigt“.

Erneuerte und teilweise neue Orgel in den Jahren 1949 bis 1951.

Ein Eversburger Bürger, verwachsen mit der Liebfrauengemeinde, sammelt und stiftet selbst so viel Geld, dass zwei neue Glocken angeschafft werden können.

Glocken der Liebfrauen-Kirche

  • 1936 bestellt die Gemeinde zwei Glocken bei der Fa. Otto, Hemelingen, die größere davon stiftet ein Freund von Pfr. Bucholtz. Die „B“Glocke mit dem Bild des hl. Engelbert, Erzbischof von Köln und Märtyrer und einem Gewicht von 460 kg wird
  • 1942 konfisziert. Die „C“ Glocke mit einem Gewicht von 280 kg kann unter Aufrechterhaltung der Beschlagnahme im Glockenturm bleiben.
  • 1953 Fritz Wacket, Direktor der Piesberger Steinindustrie, stark verwurzelt mit der Gemeinde hatte Material beschafft und das erforderliche Geld für die Finanzierung zusammengebettelt, um zwei neue Glocken als Ersatz für das im Kriege enteignete Läutewerk der Gemeinde zu schenken.

Daten der Glocken:

1936 bei Otto, Hemelingen, gegossen

„Schutzengel“ als Bild, 280 kg, Ton C
Inschrift:
Hostes repello, Pacem procuro, Pestilentiam fugo

1953 bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen

„St. Barbara”, 712 kg, Ton G„St. Jacobus“, 470 kg, Ton A
Inschrift:Inschrift:
St. Barbara heisse ichSt. Jacobus heisse ich
zum Andenken an eine Mutterzum Andenken an einen Vater
Ich schütze den Bergmann und Werkmann am Piesberg und rufe ihnIch künde die Erbarmung Gottes allen denen, die in Not und Sorge sind

Diese Texte sind in die dazu gehörige Glocke eingegossen.


1942 konfisziert

1953 in Gescher gegossen

Die besondere Sorge gilt dann aber der Jugend. Für sie gibt es nur zwei notdürftig eingerichtete Räume in der Burgkapelle, die unbedingt ersetzt werden mussten. Mehrere Kapläne bauen mit Jugendlichen (Lehrlingen) und mithilfe von Kolpingsöhnen in den Jahren 1952 bis 1962 etappenweise ein neues Jugendheim. Es wird nicht nur von den Kinder- und Jugendgruppen genutzt, sondern auch von vielen anderen Gruppen und Vereinen der Gemeinde, so dass man statt von einem Jugendheim von einem Pfarrheim (oder Gemeindehaus) sprechen kann.

Parallel zu diesen Aktivitäten hat sich Pfarrer Beuke mit „einer kleinen Schar Getreuer“ ab 1958 um die Restauration der Burgkapelle bemüht. Diese wird nach dem Bau des neuen Jugendheimes nicht mehr benötigt. Außerdem ist sie fast baufällig geworden. Wie, durch wen und in welcher Weise diese Restaurierung erfolgt, wird in einem eigenen Kapitel an anderer Stelle zu schildern sein. Hier sei schon einmal festgehalten, dass am 1. Mai 1962 die Wiedereinweihung der Kapelle erfolgte und dass nach 40 Jahren Unterbrechung erstmalig wieder eine hl. Messe - mit Generalvikar Ellermann – gefeiert wurde.

Nicht nur die Kapelle bedurfte einer Restaurierung, sondern auch die Pfarrkirche. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre hatten vielerlei Beschädigungen verursacht.
Als erstes bekam die Kirche eine Ölheizung. Danach erhielt die Kirche im Jahr 1965 eine umfassende neue Ausmalung, angeleitet vom Osnabrücker Kirchenmaler Landmann.
Der Altar und der Altarraum sind ganz nach den neuen liturgischen Vorschriften des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet worden.

Als nächstes folgt auf Grund des ständig größer werdenden Bedarfs sowie strengerer Vorschriften der Jugendbehörden der Neubau des Kindergartens – Einweihung und Einzug am 4. August 1965. Der alte Kindergarten wird als Schwesternwohnung umgebaut.

Zu guter Letzt wird der Kirchplatz umgestaltet und ein Parkplatz rund um die Kirche angelegt. Zwischen Kirche und Kapelle wird ein Kreuz errichtet – seitlich davon sind vier Grabstätten vorgesehen, von denen zur Zeit noch eine nicht belegt ist.

Pfarrer Beuke starb am 30. Juni 1976
Neuer Pfarrer wurde Pastor Hermann Ossege, von 1977 bis 1999
Weitere Pfarrer: Werner Linkemeyer, Ulrich Pliesch und Zbigniew Kadziela.

Ende des 1. Teils

Der zweite Teil beginnt mit Pfarrer Hermann Ossege und wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.